Süddeutsche-Zeitung vom 06.08.2010:
Der Dauerregen hat vor allem im Südwesten Bayerns und an der Donau zu Hochwasser geführt. An mehreren Orten im Allgäu fielen binnen 24 Stunden mehr als 100 Liter Regenwasser pro Quadratmeter - so viel wie normalerweise im ganzen Juli. Wie die Polizei in Kempten mitteilte, musste im Oberallgäu eine Frau von der Feuerwehr aus ihrem Auto gerettet werden. Sie war mit ihrem Wagen in einer überfluteten Unterführung stecken geblieben und konnte sich selbst nicht befreien. Bei Lautrach im Unterallgäu mussten nach Polizeiangaben etwa 40 Teilnehmer eines Zeltlagers in einer Turnhalle schlafen, weil ein Bach über die Ufer getreten war. Bei Markt Rettenbach brachte die Feuerwehr 55 Kinder und Jugendliche sowie 23 Betreuer aus einem überschwemmten Zeltlager in Sicherheit. Auch an bayerischen Flüssen steigen die Pegel. Bei Engen an der Illach gilt bereits die zweithöchste Meldestufe. An Iller und Wertach sowie an kleineren südlichen Zuflüssen zur oberen Donau kam es neben kleineren Ausuferungen auch zur Überflutung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen und zu leichten Verkehrsbehinderungen. Auch an der Ammer verzeichneten Einsatzkräfte kleine Ausuferungen. Die Bundesstraße 2 und eine Staatsstraße bei Murnau mussten wegen Hochwasser in Richtung Garmisch-Partenkirchen gesperrt werden. Auch die Stadt Regensburg warnt davor, Autos in Ufernähe abzustellen. Im Landkreis Freyung-Grafenau registrierte die Polizei vor allem in den Städten Freyung und Waldkirchen Überflutungen von Firmengebäuden, Kellern und Straßen.

Naturereignisse wie Starkregen und Hochwasser lassen sich nicht verhindern. In den letzten Jahren hat dies zunehmend zu einer Bedrohung der Lebensgrundlagen von Teilen der Bevölkerung geführt. Neben den Bemühungen von Bund, Ländern und Gemeinden, die Auswirkungen solcher Schadensereignisse zu begrenzen, sollte auch der Einzelne prüfen, inwieweit er durch gezielte Vorbereitungen und Maßnahmen Schäden vermeiden oder mindern kann.
Nachfolgende Hinweise können hierzu beitragen:

18042012 1 Sie sollten schon im Vorfeld die für ihren Wohnbereich kritische Hochwassermarke über ihre Kommune abklären. Bedenken Sie bitte, dass die normale Versorgung mit Strom, Lebensmitteln und Trinkwasser bei Hochwasser beeinträchtigt oder unterbrochen werden kann. Dieser Zustand kann auch nach Ende der unmittelbaren Hochwassergefahr durch die Schädigung der Infrastruktur noch eine Weile anhalten.

Bei drohendem Hochwasser:

  • Verfolgen Sie aktuelle Wettermeldungen und Hochwasserwarnungen über regionale Rundfunksender und Videotexttafeln.
  • Mitbewohner und Nachbarn ggf. zusätzlich informieren.
  • Getroffene Vorsorgemaßnahmen überprüfen und ergänzen.
  • Gefährdete Räume ausräumen.
  • Dichten Sie gefährdete Türen, Fenster und Abflussöffnungen ab.
  • Sichern Sie Heizung und elektrische Geräte in bedrohten Räumen. Achtung: Stromschlaggefahr entsteht bereits bei Kondenswasser!
  • Tiefkühltruhe berücksichtigen.
  • Überprüfen Sie Hausentwässerungsanlagen und Rückstauklappen.
  • Entfernen Sie Fahrzeuge aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen.
  • Verständigen Sie bei Austritt von Schadstoffen sofort die Feuerwehr.

Zusätzlicher Hinweis zu Kraftfahrzeugen:
Befahren Sie keine überfluteten Straßen. Dringt Wasser in den Motorraum, droht erheblicher Schaden; zudem liegt die Betriebstemperatur eines Katalysators bei rund 700°C, plötzliche Abkühlung kann zum Zerspringen des Keramikkopfes führen. Steht das Fahrzeug bis zur Ölwanne oder über die Räder im Wasser, keinesfalls starten, sondern abschleppen und in Werkstatt überprüfen lassen. 18042012 2

Menschenrettung steht vor der Erhaltung von Sachwerten

  • Doch keine Rettungsversuche ohne Eigensicherung, rufen Sie Hilfe - 112!
  • Bei Gefahr, Kinder in Sicherheit bringen!
  • Betreten Sie keine Uferbereiche wegen der Unterspülungs- und Abbruchgefahr!
  • Beachten Sie die Absperrungen und folgen Sie den Anweisungen der Einsatzkräfte!

Treffen Sie geeignete Vorbereitungen.

Wir denken an:
  • Lebensmittel- und Trinkwasservorrat
  • ein netzunabhängiges Radio
  • ausreichend Reservebatterien
  • netzunabhängige Notbeleuchtung
  • netzunabhängige Kochgelegenheit
  • "gesicherte" Heizvorräte,
  • Ersatztoilette
Es empfiehlt sich weiterhin:
  • Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon zum Abdichten gefährdeter Räume vorhalten, zusätzlich Sandsäcke
  • Gefährliche Stoffe oder Chemikalien rechtzeitig auslagern
  • Wertvolle Möbel oder Geräte aus gefährdeten Räumen auslagern
  • Verwenden Sie wasserbeständige Baustoffe und Versiegelungen in gefährdeten Räumen.
  • Heizöltank gegen Aufschwimmen sichern (vertikale Rückverankerung oder Beschwerung).
  • Möglichst Tanks verwenden, die für den Lastfall "Wasserdruck von außen" geeignet sind.
  • Ausreichend Absperrmöglichkeiten von Leitungen vorbereiten.

Zur Sicherheit berücksichtigen:

  • Versorgung hilfebedürftiger oder kranker Personen planen.
  • Organisieren Sie die Möglichkeit rechtzeitiger "Evakuierung" zu Verwandten oder Freunden außerhalb der Gefahrenzone.
  • Evakuierung von Tieren vorbereiten.
  • Im Gefahrenfall können Festnetztelefon und auch Mobilfunknetz ausfallen, sprechen Sie daher mit Nachbarn Not- und Gefahrenzeichen ab.
  • Informieren Sie jedes Familienmitglied über getroffene Gefahrenvorsorge, richtiges Verhalten und wichtige Bestandteile der privaten Vorsorge.
  • Sprechen Sie über die "Rollenverteilung" im Ernstfall, Hauptschalter und Absperrventile, Dokumentensicherung etc.

Achtung:
Besondere Gefahren bei Hochwasser entstehen durch die Kraft des Wassers bei Unterspülung von Wegen, Brücken, Dämmen etc., aber auch durch mitgeführtes Treibgut. Ausgelaufene Schadstoffe wie Heizöl, Reinigungs- und Pflanzenschutzmittel, aber auch Fäkalien und Unrat die in den Fluten mitgeführt werden, sind ein gesundheitliches Risiko. Trinkwasser kann verunreinigt sein. Achten Sie auf die Informationen Ihrer Gemeinde.
Nach dem Hochwassern:

  • Entfernen Sie Wasserreste und Schlamm
  • Pumpen Sie betroffene Räume jedoch erst leer, wenn das Hochwasser abgeflossen und der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist.
  • Fußbodenbeläge und Verkleidungen sollten Sie zur Kontrolle entfernen oder öffnen.
  • Trocknen Sie betroffene Bereiche schnellstmöglich um Bauschäden, Schimmelpilzbefall oder anderem Schädlingsbefall entgegen zu wirken.
  • Heizgeräte können den Trocknungsvorgang unterstützen. .
  • Lassen Sie bei Bedenken die beschädigte Bausubstanz überprüfen (Statik).
  • Nehmen Sie elektrische Geräte und Anlagen erst nach Überprüfung durch den Fachmann wieder in Betrieb.
  • Lassen Sie Heizöltanks auf Schäden überprüfen.
  • Bei Freisetzung von Schadstoffen, wie z.B. Pflanzenschutzmitteln, Farben, Lacken, Reinigern oder Heizöl, verständigen Sie die Feuerwehr. Entsorgung ist ggf. über Fachfirmen erforderlich.
  • Benutzen Sie bei Freisetzung von Ölen geeignete Ölbindemittel nur in Absprache mit der Feuerwehr.
  • Räume, in denen gearbeitet wird, sollten Sie stets gut belüftet halten.
  • Bei freigesetzten Schadstoffen nicht Rauchen und offenes Feuer vermeiden.
  • Entsorgen Sie verunreinigte Möbel und Lebensmittel. Obst, Gemüse oder Salat aus überschwemmten Gebieten nicht verzehren.
  • Verständigen Sie bei mit dicken Ölschlammschichten bedeckten Gärten oder Feldern das Landratsamt oder Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
  • Nach dem Rückgang des Hochwassers kann es zum verstärkten Auftreten von Schädlingen wie z.B. Stechmücken kommen. Insektenschutzmittel sollten daher bevorratet sein oder kurzfristig beschafft werden.


Über die zuständigen Behörden Ihrer Gemeinde und die Feuerwehr erhalten Sie weitere Informationen, Hinweise und ggf. auch Anschriften von Fachbetriebe.